Bürgerversammlung in Oberschneiding: Viele Projekte und viele Informationen
Bis auf den letzten Platz gefüllt war das Jugendheim bei der ersten Bürgerversammlung von Bürgermeister Konrad Schmerbeck in seiner neuen Funktion als gewählter Bürgermeister. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich über laufende Projekte, anstehende Maßnahmen und die finanzielle Situation der Gemeinde zu informieren.
Ein zentrales Thema war die Sanierung der Ortsdurchfahrt Oberschneiding. Die Straubinger Straße bleibt weiterhin voll gesperrt. Schmerbeck appellierte eindringlich an die Bevölkerung, die Sperrung einzuhalten, da Missachtungen zu Verzögerungen bei den Bauarbeiten führen. Nach derzeitiger Planung der ausführenden Baufirma soll Mitte November die Asphaltdeckschicht aufgebracht werden. Anschließend könnte die Durchfahrt wieder freigegeben werden. Einen verbindlichen Termin könne man aus Gemeindesicht allerdings noch nicht zusichern.
Auch die weitere Bauabfolge wurde angepasst: Der ursprünglich vorgesehene zweite Bauabschnitt vom Pfarrer-Handwercher-Platz über die Landauer Straße wird zunächst zurückgestellt. Stattdessen soll in 2027 der Kanal von der Salchinger Straße bis zum Jugendheim auf ein Trennsystem umgebaut werden. Zudem ist vorgesehen, den Vorplatz des Jugendheims zu ertüchtigen. Erst danach in 2028 soll die Sanierung der Ortsdurchfahrt vom Pfarrer-Handwercher-Platz über die Landauer Straße bis zum Ortsausgang fortgesetzt werden.
Über den Schulersatzbau konnte der Bürgermeister ebenfalls Positives berichten. Durch die Auftragsvergaben durch das Kommunalunternehmen konnte Innerhalb von knapp zehn Monaten das „Auslagerungsgebäude“ für die Grundschule, größtenteils durch einheimische Firmen, errichtet werden. Nach Fertigstellung des ursprünglichen Schulgebäudes an der Waltinger Straße soll das Ersatzgebäude unter anderem als Bürgersaal genutzt werden und zahlreiche Gewerbeeinheiten beherbergen.
Auch am eigentlichen Schulgebäude gehen die Arbeiten voran. Bis Ende des Jahres sollen das Dach, die Fenster sowie der Anbau für zwei zusätzlichen Klassenzimmer fertiggestellt sein.
Für das ILE-Regionalbudget warb Schmerbeck anhand zweier erfolgreicher Beispiele. Im vergangenen Jahr erhielt die Freiwillige Feuerwehr Wolferkofen eine Förderung für die Errichtung eines Spielplatzes. Heuer durfte sich der TSV Oberschneiding über finanzielle Unterstützung freuen. Mit der Förderung, zahlreichen Spenden und dem tatkräftigen Einsatz der TSV-Familie entstand am Hauptplatz eine Sitztribüne, die bereits auf reges Interesse stößt.
Auch bei den Tennisplätzen tut sich etwas: Zu den beiden bestehenden Plätzen wird derzeit ein dritter gebaut. Künftig sollen alle drei Plätze mit dem Kunstrasenbelag „Red Court“ ausgestattet sein und ganzjährig bespielt werden können.
Weniger erfreulich sei dagegen das Verhalten einiger Mitbürger, die fremdes Eigentum beschädigten oder beschmierten. So sei die Sitzgarnitur vor dem Tennishäusl beschmiert und vermüllt hinterlassen worden. Der Bürgermeister bat die Bevölkerung, aufmerksam zu sein und solche Vorfälle zu melden.
Erfreuliche Nachrichten gab es zur Sanierung des Naturbades Oberschneiding. Seit 2024 wartete die Gemeinde auf eine Förderung aus dem Sonderprogramm Schwimmbadförderung der Regierung von Niederbayern. Mittlerweile wurde das bundesweite Förderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“ aufgelegt. Mithilfe von Alois Rainer, MdB, konnte für das Naturbad eine Fördersumme von knapp 513.000 Euro erreicht werden. Geplant ist, das bestehende Becken mit Edelstahl auszukleiden. Wann die Sanierungsarbeiten konkret beginnen, steht derzeit noch nicht fest, frühestens aber nach der nächsten Badesaison.
Ausführlich erläuterte Schmerbeck die anstehenden Entscheidungen zur Abwasserentsorgung. Aufgrund der Auslastung der bestehenden Kläranlage und der zum 31. Dezember 2027 auslaufenden wasserrechtlichen Erlaubnis muss die Gemeinde handeln. Zur Wahl stehen eine Ertüchtigung und Erweiterung der bestehenden Anlage, eine Ableitung des gereinigten Abwassers in die Aiterach bei Aiterhofen oder die Auflassung der Kläranlage mit Anschluss an die Straubinger Abwasseranlage.
Die derzeitige Anlage ist auf 2.400 Einwohnerwerte (EW) ausgelegt. Das gereinigte Abwasser wird in den Ödbach und den Irlbach eingeleitet. Zwar werden die geltenden Grenzwerte eingehalten, doch sind beide Gewässer nur eingeschränkt leistungsfähig. Aufgrund des ungünstigen Mischungsverhältnisses fordert das Wasserwirtschaftsamt deshalb eine andere Lösung. Für den künftigen Ausbau wurde mit Blick auf eine übliche wasserrechtliche Erlaubnisdauer von 20 Jahren eine Zielgröße von 3.800 EW angesetzt.
Drei Möglichkeiten wurden hinsichtlich ihrer Kosten und Auswirkungen gegenübergestellt:
Erweiterung der bestehenden Kläranlage: Die geschätzten Investitionskosten liegen bei rund 7,3 Millionen Euro. Erforderlich wäre unter anderem ein zusätzliches, größeres Kombibecken. Zugleich wären bei dieser Variante die höchsten Anforderungen an die Reinigungsleistung zu erfüllen.
Ableitung in die Aiterach: Diese Lösung wird mit rund 7,2 Millionen Euro veranschlagt. Auf der Kläranlage wären nur geringe Umbauten notwendig. Kostenintensiv wäre allerdings der Bau eines rund 5,5 Kilometer langen Ableitungskanals.
Anschluss an die Kläranlage Straubing: Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 7,7 Millionen Euro. Dafür wären eine etwa 10,6 Kilometer lange Druckleitung zum Straubinger Kanalnetz und eine Pumpstation auf dem Gelände der bestehenden Kläranlage erforderlich. Das vorhandene Becken könnte voraussichtlich für die Mischwasserbehandlung weiterverwendet werden, sofern die statischen Prüfungen positiv ausfallen.
In allen drei Kostenschätzungen sind auch die erforderlichen Maßnahmen zur Mischwasserbehandlung berücksichtigt, da das bestehende Bauwerk nicht mehr den aktuellen Regelwerken entspricht und saniert werden muss. Bei einem Anschluss an Straubing wäre die Gemeinde langfristig gut aufgestellt. Zudem könnte der Ableitungskanal nach Straubing mit rund 2,12 Millionen Euro gefördert werden.
Auch die finanzielle Lage der Gemeinde war Thema der Bürgerversammlung. Schmerbeck stellte die wichtigsten Eckdaten des Haushalts 2026 vor und verwies auf die bereits auf der Gemeindehomepage veröffentlichten Zahlen.
Im Bereich Gewerbe und Industrie konnte der Bürgermeister zwei Entwicklungen bekannt geben. Die Bauarbeiten der Loibl Förderanlagen GmbH haben vor Kurzem begonnen. Außerdem wird sich auf dem ehemaligen Gelände der RHG in naher Zukunft das österreichische Unternehmen „Die Eiermacher“ ansiedeln. Das 1986 gegründete Unternehmen mit Sitz in österreichischen Kremsmünster ist in der Geflügelbranche tätig und beschäftigt dort knapp 150 Mitarbeiter. Neben Frischeiern aus Boden- und Freilandhaltung umfasst das Geschäft seit 2002 auch die Produktion biologisch erzeugter Eier. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 200 österreichischen landwirtschaftlichen Betrieben zusammen. In Oberschneiding soll ausschließlich eine Brüterei betrieben werden.
Auch aus dem BITZ Oberschneiding gab es Neuigkeiten. Ende November stellen die Teams, die derzeit das Silicon Valley Program durchlaufen, ihre Geschäftsideen vor. Eine kürzlich durchgeführte Evaluierung des Standorts verlief ohne Beanstandungen, ein Ergebnis, das laut Schmerbeck eine absolute Seltenheit darstellt.
Zudem schreiten die Arbeiten am Labor II voran, das von einem privaten Investor unterstützt wird. Die Fertigstellung ist für Ende 2027 vorgesehen. Mit Unternehmen wie Robohelix, Easy2parts und iVivid haben sich bereits mehrere Firmen in Oberschneiding niedergelassen, die größtenteils das Silicon Valley Program durchlaufen haben. Weitere Ansiedlungen seien ausdrücklich erwünscht. Erste Gespräche mit den teilnehmenden Teams bestätigten den Wunsch, sich ebenfalls in Oberschneiding niederzulassen.
Beim Breitbandausbau informierte Schmerbeck darüber, dass die Gemeinde ihre abgeschlossenen Verträge mit OpenInfra gekündigt hat. Für den beantragten Ausbau des Breitbandnetzes liegt inzwischen eine Vorzusage zur Förderung vor. Ein genauer Zeitplan kann allerdings noch nicht genannt werden, da Rückmeldungen und weitere Entscheidungen ausstehen.
Eine Änderung steht auch bei der Friedhofsverwaltung an. Diese war bislang beim Pfarramt angesiedelt und soll künftig von der Gemeindeverwaltung übernommen werden. Da es sich um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde handelt, wird die Zuständigkeit entsprechend übertragen. Der genaue Übergabezeitpunkt ist noch offen, weil zunächst weitere Abstimmungen erforderlich sind.
Mit Blick auf die bevorstehende Wintersaison erinnerte der Bürgermeister außerdem an die bestehende Räum- und Streupflicht im Gemeindegebiet. Die aktuelle Verordnung ist auf der Homepage der Gemeinde unter dem Bereich „Ortsrecht“ einsehbar.
Zum Abschluss wurde das geplante Baugebiet „Schneidinger Feld III“ vorgestellt. Es liegt westlich von Niederwalting zwischen den Baugebieten „Am Sportplatz“ und „Schneidinger Feld BA I und II“. Die Erschließungsarbeiten sollen, ähnlich wie beim Schulersatzgebäude, über das Kommunalunternehmen abgewickelt werden. Die Ausschreibungen sind für das Frühjahr 2027 vorgesehen.
Eine Vormerkung für Bauplätze ist derzeit noch nicht möglich. Sobald dies möglich ist, will die Gemeinde rechtzeitig darüber informieren.
Zum Ende der Versammlung bedankte sich Bürgermeister Schmerbeck bei den zahlreichen Besuchern für ihr Interesse sowie bei allen, die sich mit ihrem Einsatz für das Wohl der Gemeinde Oberschneiding engagieren.